Perfektes Stallklima im Kuhstall

Belüftung von modernen Boxenlaufställen

In den letzten 10 Jahren gab es geradezu eine Klimarevolution in den Kuhställen Europas. Vorher wurden Ställe massiv gemauert und besser isoliert als manch ein Wohnhaus. Dies hatte seinen Grund, alle Arbeitsbereiche fanden in einem großen Raum statt. Heute trennen wir eine Milchviehanlage nach den Funktionsbereichen und der Boxenlaufstall ist in erster Linie eine reine Fress-Liegehalle für Kühe. Das Stallklima muss nun zu 100% den Ansprüchen der Milchkuh gerecht werden. Das Rind ist dem Wesen nach ein Polartier (Zitat, Grauvogel 1994) und zieht die trockene kalte Umgebung der warmen und feuchten vor. Ein Mangel an frischer Luft bedeutet: 

a) Hitzestress, die Kühe werden träge, fressen weniger und hecheln, um die Körperwärme abzugeben, anstatt wiederzukauen. Steigt die Temperatur von 20° auf 30°C, nimmt die Kuh mindestens 1,5 kg weniger Trockensubstanz auf und produziert 3-5 kg weniger Milch pro Tag. 

b) Die Luftfeuchte steigt, die Tiere haben im Sommer Schwierigkeiten ihre Körperwärme abzugeben und im Winter kühlen sie aus, weil das Fell feucht wird. Pathogene Erreger verbreiten sich in feuchter Luft wesentlich schneller. 

c) Stäube aus Futter und Einstreu belasten die Atmung. 

d) Schadgase, wie Kohlendioxid, Ammoniak und Methan belasten die Tiere. Bei Sauerstoffmangel kann keine Höchstleistung erbracht werden. In einem modernen Boxenlauf- stall mit großem Luftvolumen werden im Winter Luftwechselraten von 4 – 6-mal pro Stunde benötigt. Im Sommer muss zusätzlich die Körperwärme der Tiere abgenommen werden. Daraus ergeben sich Wechselraten von 60 – 100-mal in der Stunde.

Der Kuhstall lässt die Hüllen fallen

Ein solcher Anspruch kann nur erreicht werden, wenn die Seitenwände eines Boxenlaufstalles geöffnet werden können. Die Öffnung muss so groß gewählt werden, dass die Kuh im Hochsommer vom einströmenden Wind umspült wird. Nur dann wird ein zusätzlicher Hitzestress vermieden. Als Faustzahlen gelten für die Öffnung eines freistehenden Gebäudes je Seite 0,6 m² pro Kuh, geschützt im Windschatten anderer Hallen wird ca. 1 m² je Kuh (Zitat, Büscher 2005) benötigt. Daraus ergibt sich für einen sechsreihigen Boxenlaufstall eine Traufhöhe von 3,40 m bis 5 m mit einer Öffnung von 2,70 bis 4 m.

Es gibt verschieden Systeme auf dem Markt, aufrollende und faltende. Die letzteren sind technisch einfacher, werden aber weniger verwendet, da die Plane durch das Falten mehr beansprucht wird und Nagetiere diese als willkommene Behausung begrüßen. Aufrollende Systeme unterscheidet man in von oben öffnende (A) und von unten öffnende (B).

 

 

Systeme, die von unten nach oben öffnen (B), werden nur verwendet, wenn die Öffnung entweder geschlossen oder komplett geöffnet ist. Die Systeme, die von oben nach unten öffnen (A) eignen sich besser zum Regulieren. Denn diese ermöglichen im Winter eine kleine Öffnung im oberen Bereich; die Luft strömt mit hoher Geschwindigkeit weit in den Stall, verwirbelt und mischt die verbrauchte Luft auf. Im Sommer kann bis nach ganz unten geöffnet werden, die Tiere werden von frischer Luft auch im Liegen umspült.

Für die Sommerlüftung ist zu beachten, dass ein fester Mauersockel nicht zur Belüftungsbarriere wird. Maximal die halbe Liegeboxenhöhe darf feste Wand sein, damit die liegende Kuh den frischen Wind direkt von vorne erhält und nicht in Ihrem eigenen Atem liegen muss. Nur so kann Hitzestress vermieden werden. Ein Sockel von 40-60 cm schützt die Einstreu im Stall und hält im Winter dem Schneedruck stand.

Die Gradwanderung mit den Frostgraden

Lange, kalte Winter schrecken davor zurück die Seiten des Boxenlaufstalles durch eine leichte Plane zu ersetzen. Zu bedenken ist jedoch, dass die Dachfläche mehr als 6-mal so groß ist und hier eine Isolierung wesentlich entscheidender ist. Frostige Temperaturen alleine schränken nicht die Milchleistung ein, lediglich die Futteraufnahme steigt, um die nötige Wärmeenergie zu erbringen. Es ist eher das Versagen der Technik, das zu Problemen führen kann.

Jedoch gibt es gerade für die Tränke- und Entmistungenstechnik bereits praktikable Lösungen. Ein großes Problem bei der Handhabung einer Stalllüftung ist, dass viele Betreiber versuchen mit der abgegebenen Tierwärme den Stall zu heizen. Diese Wärme hat es aber in sich: Sie korreliert mit hoher Luftfeuchte, Keimen, Ammoniak, Kohlendioxid und zu wenig Sauerstoff. Folglich muss die Öffnung der Curtain so reguliert werden, dass mindestens 4 Luftwechsel pro Stunde eingehalten werden, die Temperatur jedoch nicht soweit absinkt, dass die Technik zum Erliegen kommt. Eine solche genaue Regulierung erfolgt bei Großanlagen in der Regel durch eine Klimasteuerung. Diese Automatik muss auf die Ansprüche eines so genannten Außenklimastalles abgestimmt sein, Wind und Temperatur sind gleichermaßen an der Berechnung des optimalen Öffnungsgrades beteiligt. 

Fazit

Frische Luft steht außerhalb des Stalles kostenlos und unbegrenzt zur Verfügung. Sie ist damit der günstigste essentielle Produktionsfaktor. Ein moderner Boxenlaufstall wird für Kühe gebaut und nicht mehr wie früher für Mensch und Technik. Es gilt die Ansprüche der Kuh in den Vordergrund zu stellen und die Technik darauf einzurichten, nur so kann eine Kuh Hochleistung erbringen. Frische Luft ist ein Motor der Leistung.

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